Session Bochet brauen: Leichter karamellisierter Met
Ein “Session Bochet” ist genau das: die Verbindung aus vertrackten, tiefen Röstaromen und einer Leichtigkeit, die man einem Honigwein eigentlich nicht zutraut. Klassischer Met kann brutal süß und wuchtig ausfallen, mit 14 % Alkohol und einem Körper, der nach dem zweiten Glas müde macht. Diese Low-ABV-Variante dagegen bewegt sich sanft zwischen 4 % und 7 % Alkohol. Der Trick dabei: Der Honig wird vor der Gärung karamellisiert, richtig gekocht, bis er dunkel und zäh wird – ein Prozess, der ähnlich kontrolliert ablaufen sollte wie das Brauen von Kiefernnadel-Kombucha. Genau das schenkt dem fertigen Getränk diese unverwechselbaren Noten von Toffee, angebranntem Marshmallow und dunkler Schokolade, die man sonst eher aus einem guten Stout kennt.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du diesen faszinierenden “Craft Met” zu Hause braust, ohne dir dabei die Küche (oder die Hände) zu verbrennen.
Die Magie des Bochet: Warum Honig karamellisieren?
Kochst du Honig, veränderst du seine chemische Struktur grundlegend. Maillard-Reaktionen setzen ein, die Zuckerarten karamellisieren, und plötzlich entsteht ein Geschmacksprofil, das mit frischem Honig kaum noch etwas zu tun hat. Bei einem klassischen, hochprozentigen Bochet können diese intensiven Röstaromen schnell zu viel des Guten sein, fast erdrückend.
In einer Session-Variante (einem leichten Met, den man auch mal in größerer Menge trinken kann, ohne gleich unter dem Tisch zu landen) entfalten sich diese Röstnoten dagegen perfekt. Sie geben dem Getränk eine tiefdunkle Farbe, irgendwo zwischen Stout und Brown Ale, und einen erstaunlich vollen Körper für so wenig Alkohol. Und weil beim Kochen ein Teil des Zuckers unvergärbar wird, bleibt eine natürliche, malzige Restsüße erhalten. Genau die verhindert das dünne, wässrige Mundgefühl, das viele Low-ABV-Getränke leider mitbringen.
Die richtige Hefe für leichten Met
Bei einem Session Bochet entscheidet die Hefewahl über Erfolg oder Mittelmaß. Da der Alkoholgehalt niedrig bleibt, brauchst du hier keine hochresistenten Wein- oder Champagnerhefen, die auf 15 % Alkohol und mehr ausgelegt sind.
- Ale-Hefen (z. B. SafAle US-05 oder S-04): Diese klassischen Bierhefen sind für Session Meads fast ideal. Sie vergären zuverlässig durch, hinterlassen einen etwas fülligeren Körper und bringen leichte, fruchtige Ester mit, die sich hervorragend mit dem Karamell vertragen.
- Weinhefen (z. B. Lalvin D47 oder RC212): Sie stellen eher die honigeigenen Noten in den Vordergrund und liefern ein klares, trockenes Profil. Bei Low-ABV-Metsorten solltest du hier allerdings auf ausreichend Tannine im Ansatz achten, sonst fehlt es am Ende an Struktur.
Sicherheit beim Honigkochen (Wichtig!)
Ein Punkt, den man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte: Kochender Honig wird weit über 100 °C heiß und verhält sich fast wie heißes Frittierfett. Wer schon mal Fett verschüttet hat, weiß, wie unangenehm das werden kann.
- Den richtigen Topf wählen: Honig schäumt beim Kochen massiv auf, oft mehr, als man erwartet. Nimm einen Topf, der mindestens das Vier- bis Fünffache des Honigvolumens fasst, lieber etwas größer als zu knapp.
- Schutzkleidung: Ofenhandschuhe an, Augen schützen. Kurze Ärmel sind hier keine gute Idee.
- Niemals kaltes Wasser in kochenden Honig schütten: Das kann zu gefährlichen Dampfexplosionen führen. Lass den Honig immer erst etwas abkühlen und lösche ihn ausschließlich mit heißem Wasser ab.
Rezept für 5 Liter Session Bochet (ca. 5,5 % ABV)
Dieses Basisrezept ist für Einsteiger gedacht und liefert ein schnelles, spritziges Ergebnis, das schon nach wenigen Wochen im Glas landen kann.
Zutaten
- 750 g Honig: Ein günstiger Wildblütenhonig aus dem Supermarkt reicht völlig aus. Teure Sortenhonige, etwa Lindenblüten- oder Akazienhonig, verlieren beim Kochen ohnehin ihre zarten, blumigen Nuancen, da lohnt sich der Aufpreis nicht.
- 4,5 Liter Wasser (gefiltert oder stilles Mineralwasser)
- 2 g Bierhefe (SafAle US-05)
- Hefe-Nährsalz (Dosierung laut Herstellerangabe)
- Optional: 1 Tasse stark gezogener Schwarztee (liefert Tannine für mehr Struktur und Mundgefühl)
Schritt-für-Schritt Anleitung
1. Den Honig karamellisieren
Gib den Honig in deinen großen, sauberen Topf und erhitze ihn bei mittlerer Hitze. Sobald er kocht, fängt er an aufzuschäumen, teils recht heftig. Rühre regelmäßig mit einem langstieligen Löffel um, damit nichts anbrennt. Der Honig durchläuft dabei mehrere Farbstadien, von hellem Bernstein bis hin zu fast schwarz. Um die Farbe zu kontrollieren, tropf alle paar Minuten etwas kochenden Honig auf einen weißen Pappteller. Für einen ausgewogenen Session Bochet ist eine Farbe wie dunkles Mahagoni oder dunkles Karamell ideal, das dauert meist 15 bis 25 Minuten.
2. Das Ablöschen
Nimm den Topf vom Herd und lass den Honig etwa 10 Minuten ruhen, damit er leicht abkühlt. In der Zwischenzeit bringst du 1 bis 2 Liter deines Wassers zum Kochen. Gieße das kochend heiße Wasser nun extrem langsam und vorsichtig zum Honig, dabei ständig rühren. Es wird zischen, dampfen, vielleicht sogar spritzen. Keine Panik, das ist normal.
3. Den Ansatz vorbereiten
Gieße die aufgelöste Honig-Wasser-Mischung (den “Must”) in deinen Gärballon. Füge das restliche kühle Wasser hinzu, und falls du ihn verwendest, auch den Schwarztee. Schüttle alles kräftig durch, das bringt Sauerstoff in die Würze, was die Hefe später zu schätzen weiß.
4. Die Gärung starten
Sobald die Mischung unter 25 °C abgekühlt ist, gibst du Hefe-Nährsalz und Hefe hinzu. Verschließe das Gefäß mit einem Gärröhrchen. Meist beginnt die Gärung sichtbar innerhalb von 24 bis 48 Stunden und ist bei Raumtemperatur (etwa 20 °C) nach 10 bis 14 Tagen weitgehend abgeschlossen.
Karbonisierung: Prickelnder Genuss
Ein Session Bochet profitiert enorm von Kohlensäure. Sie hebt die süßen Karamellnoten hervor und macht das Getränk herrlich frisch, fast wie ein leichtes Craft Beer mit Honignote.
Fülle den Met ab, sobald die Gärung abgeschlossen ist (der Blubbereffekt im Gärröhrchen ist komplett gestoppt, der Met wirkt klar), in druckfeste Bügelflaschen. Gib pro Liter Flascheninhalt rund 6 Gramm Haushaltszucker hinzu, nicht mehr, sonst wird es zu spritzig oder im schlimmsten Fall gefährlich für die Flaschen. Die restliche Hefe baut diesen Zucker innerhalb von etwa zwei Wochen bei Raumtemperatur ab und wandelt ihn in Kohlensäure um. Danach gehören die Flaschen in den Kühlschrank oder Keller.
Fazit
Ein Session Bochet zu brauen ist ein kleines Abenteuer, irgendwo zwischen Metbrauen und Craft-Beer-Kultur. Mit seinem moderaten Alkoholgehalt, der satten dunklen Farbe und diesen unwiderstehlichen Noten von Karamell und geröstetem Honig ist er die perfekte Erfrischung für laue Sommerabende genauso wie für gemütliche Herbstabende am Ofen. Trau dich an den kochenden Honig heran, der Aufwand zahlt sich im Glas garantiert aus.